Die Apostelbilder an der Empore der Peterskirche in Murr

Zu den Bildern an der Emporenbrüstung findet man in verschiedenen Dokumenten unterschiedliche Informationen, Jahreszahlen und Deutungen, von denen in der Folge einige dargestellt sind.

Im Wegweiser der Evangelischen Kirchengemeinde Murr an der Murr aus dem Jahr 1983 ist zu entnehmen, dass die Bilder aus der Zeit um 1820 stammen. Sie wurden laut der Festschrift zum 500-jährigen Jubiläum der Peterskirche im Jahr 1989 in den Jahren 1969/1970 auf dem Dachboden der Kirche, wohin sie vermutlich bei der Renovierung der Kirche 1902 „verbannt“ worden waren, wiedergefunden. In den Folgejahren wurden sie restauriert und 1973 wieder an der Brüstung angebracht. In der Jubiläums- Festschrift werden die Bilder Christus, den 12 Aposteln und den Propheten Jesaja (Schriftrolle) und Jeremia (siedender Topf) zugeordnet.

   

Im Gemeindebrief (damals noch „’s Spiegele“) wurden 2004 und 2005 in den Ausgaben 24 bis 26 durch die Redaktion die Apostelbilder an der Empore der Peterskirche neu zugeordnet und die Beobachtungen beschrieben, die zu den Zuordnungen geführt haben. In drei Artikeln wurden die Erkenntnisse durch Frank Hehl und Pfarrer Bernhard Philipp dargestellt.

Aus diesen drei Artikeln sind die folgenden Beschreibungen entnommen:

Warum 15 Apostelbilder?

Außer den Angehörigen des Jüngerkreises sind noch Jesus selbst, der (nach dem Freitod des Judas nachgewählte) Apostel Matthias sowie der Apostel Paulus abgebildet.

Folgende Beobachtungen haben für die Überlegungen zur Zuordnung eine Rolle gespielt:

  1. Neben dem Jesusbild über dem Mittelgang gruppieren sich die engsten Vertrauten aus dem Jüngerkreis, nämlich auf der einen Seite die Brüder Johannes („Lieblingsjünger“) und Jakobus (der Ältere), die sogenannten Zebedaiden, auf der anderen Seite Simon Petrus. Diese zentrale Gruppe gehört aufgrund der Stellung der betreffenden Apostel zu Jesus zum zweifelsfreien Kern der Zuordnung.
  2. Auf 12 der 15 Bilder ist ein Heiligenschein abgebildet, nämlich bei Jesus und 11 weiteren Personen. Sollten dies die Apostel (ohne Judas Ischarioth) sein? Dann wären rechts außen drei andere Personen abgebildet (wegen des fehlenden Heiligenscheins). Aber welche? Diese Deutung ist außerdem kaum mit den vorhandenen Attributen in Einklang zu bringen.
  3. Weiterhin auffällig: Einer hat ein strahlend helles Gewand (ganz links), und nur einer hat eine Kopfbedeckung (zweiter von rechts). Was hat das für die Identifizierung zu bedeuten?
  4. Die besondere Haartracht des Mannes ganz rechts könnte auf Paulus hindeuten. Dafür spräche vielleicht auch der Brustschild, der eigentlich zur Ausstattung des Hohepriesters gehört. Dann müsste allerdings der ganz links mit dem weißen Gewand Philippus sein.
  5. Bei einigen Attributen sind mehrere Kombinationen in der Literatur beschrieben, d.h. es kann ein und dasselbe Attribut gleich mehreren Aposteln zugeordnet sein (z.B. Buch, Hellebarde, Lanze, Schwert), und es kann auch ein Apostel mit mehreren Attributen in Verbindung gebracht werden.

Demzufolge blieb bei der Zuordnung mehrfach nur, das Ausschlussverfahren anzuwenden oder einfach zu raten. Eine eindeutige Zuordnung ist mit letzter Sicherheit leider nicht möglich. Bei neun Bildern war sich das Spiegele-Redaktionsteam vollkommen oder doch ziemlich sicher, bei den sechs anderen gibt es unterschiedliche Möglichkeiten.

 

 

 

 

 

Paulus

Matthäus

Matthias

Jakobus der Ältere

Johannes

Jesus

Paulus

Andreas

Simon Zelotes

Bartholomäus

Judas Thaddäus

Thomas

Jakobus der Jüngere

Judas Ischariot

Philippus